NICORANDIL RIVOPHARM

 

Zusammensetzung

Wirkstoffe Nicorandilum.

Hilfsstoffe

 

Acidum stearicum, Amylum pregelificatum, Carmellosum natricum conexum corresp, Mannitolum.

10 mg tablette enthält 0.93 mg Natrium, 20 mg tablette enthält 1.8793 mg Natrium

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

 

Tabletten zu 10 mg (mit Bruchrille, teilbar) und 20 mg (mit Zierrille).

 

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

 

Nicorandil Rivopharm wird angewendet zur symptomatischen Behandlung von stabiler Angina pecto- ris bei erwachsenen Patienten ohne ausreichende Kontrolle mit First-Line-Therapien gegen Angina (wie etwa Betablockern und/oder Kalziumantagonisten) oder mit einer Kontraindikation oder Unver- träglichkeit für solche Therapien.

Dosierung/Anwendung

 

Übliche Dosierung

 

Im Allgemeinen 2 x täglich 1 Tabl. Nicorandil Rivopharm 10 verabreichen.

Bei ungenügendem Ansprechen können bis 2 x täglich 1 Tablette Nicorandil Rivopharm 20 verab- reicht werden. Die Tabletten sollen jeweils morgens und abends, unzerkaut, mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden. Die Einnahme kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme erfolgen. Die Nicorandil Rivopharm 20 Tabletten dürfen an der Zierrille nicht geteilt werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

 

Bei Patienten, die besonders zu Kopfschmerzen neigen, kann mit einer Initialdosis von 5 mg 2 x täg- lich, während 2-7 Tagen begonnen werden.

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

 

Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung notwendig.

 

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

 

Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung notwendig.

 

Ältere Patienten

 

Es gibt keine speziellen Dosierungsempfehlungen für ältere Patienten. Wie bei allen Arzneimitteln wird empfohlen, die niedrigste wirksame Dosis anzuwenden.

Kinder und Jugendliche

 

Nicorandil Rivopharm wird nicht zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen empfohlen, da die Si- cherheit und Wirksamkeit von Nicorandil Rivopharm in dieser Patientengruppe nicht gezeigt ist.

Kontraindikationen

 

-Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung

-Patienten mit Schock (einschliesslich kardiogenem Schock), schwerer Hypotonie oder Linksherzin- suffizienz mit niedrigem Füllungsdruck oder kardialer Dekompensation

-Hypovolämie

-gleichzeitige Anwendung von Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (wie Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen; Interaktionen), da dies zu einem schweren Blutdruck- abfall führen kann

-gleichzeitige Anwendung von Stimulatoren der löslichen Guanylat-Cyclase (wie z.B. Riociguat), da dies zu einem schweren Blutdruckabfall führen kann

-akutes Lungenödem

 

 

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

 

Ulzerationen

Über gastrointestinale Ulzerationen, Haut- und Schleimhautulzerationen wurde bei der Anwendung von Nicorandil berichtet (vgl. Unerwünschte Wirkungen).

 

Gastrointestinale Ulzerationen

Durch Nicorandil bedingte Ulzerationen können an verschiedenen Stellen beim selben Patienten auftreten. Diese erweisen sich als therapieresistent und sprechen zumeist nur auf einen Abbruch der Behandlung mit Nicorandil an. Falls Ulzerationen auftreten, sollte daher die Behandlung mit Nicorandil dauerhaft abgesetzt werden (vgl. Unerwünschte Wirkungen). Ärzte sollten sich der Bedeutung einer rechtzeitigen Diagnose von durch Nicorandil bedingten Ulzerationen und eines raschen Absetzens der Behandlung mit Nicorandil im Falle eines Auftretens solcher Ulzerationen bewusst sein. Auf Grundlage verfügbarer Informationen kann nach Anwendungsbeginn von Nicorandil ein Auftreten von Ulzerationen entweder schon kurz nach Behandlungsbeginn mit Nicorandil stattfinden oder aber erst mehrere Jahre nach Beginn der Behandlung mit Nicorandil.

 

Gastrointestinale Blutungen in der Folge einer gastrointestinalen Ulzeration wurden unter Nicorandil berichtet. Bei Patienten, die gleichzeitig Acetylsalicylsäure oder NSARs (nichtsteroidale Antiphlogis- tika) anwenden, besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen wie etwa gastrointestinale Blutungen. Bei der Erwägung einer gemeinsamen Anwendung von Acetylsalicylsäure oder NSARs und Nicorandil ist daher entsprechende Vorsicht geboten (vgl. Interaktionen).

Im fortgeschrittenen Stadium können sich diese Ulzera auch zu Perforationen, Fisteln oder Ab- szessen entwickeln. Bei Patienten mit Divertikulose könnte unter Behandlung mit Nicorandil ein be- sonders hohes Risiko für Fistelbildung oder Darmperforationen bestehen.

Gastrointestinale Perforationen in Verbindung mit einer gleichzeitigen Anwendung von Nicorandil und Kortikosteroiden wurden ebenfalls beschrieben. Bei Erwägung einer gleichzeitigen Anwendung von Kortikosteroiden ist daher Vorsicht geboten

Gelegentlich wurden Fälle von Konjunktivitis, Bindehautulkus und Hornhautulkus in Verbindung mit Nicorandil beschrieben. Die Patienten sollten über die Zeichen und Symptome informiert werden und engmaschig auf Hornhautulzerationen überwacht werden. Im Falle von Ulkusbildung(en) sollte Nicorandil abgesetzt werden (vgl. Unerwünschte Wirkungen).

 

Hyperkaliämie

Unter Behandlung mit Nicorandil wurde in sehr seltenen Fällen eine schwere Hyperkaliämie beschrieben. Nicorandil sollte in Kombination mit anderen Arzneimitteln, welche die Kaliumspiegel erhöhen, vor allem bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Nierenfunktionsstörung, mit entsprechender Vorsicht angewendet werden (vgl. Interaktionen und Unerwünschte Wirkungen).

 

Arzneimittel mit blutdrucksenkender Wirkung

Vorsicht ist bei gleichzeitiger Anwendung von Nicorandil mit anderen blutdrucksenkenden Arzneimit- teln geboten (vgl. Interaktionen).

 

Herzinsuffizienz

Aufgrund fehlender Daten ist bei der Anwendung von Nicorandil bei Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse III oder IV entsprechende Vorsicht geboten.

 

Funktionsstörungen der Leber

Nicorandil kann in sehr seltenen Fällen Funktionsstörungen der Leber verursachen.

 

 

Phosphodiesterase-5-Inhibitoren

Aufgrund ihrer pharmakologischen Wirkung (Hemmung des Abbaus von cGMP) potenzieren Phos- phodiesterase-5-Inhibitoren (wie Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) den blutdrucksenkenden Effekt von

 

Nitraten und anderen NO-Donatoren, was zu schwerwiegender, häufig therapieresistenter Hypoten- sion führen kann. Daher ist die Einnahme von Phosphodiesterase-5-Inhibitoren während der Behand- lung mit Nicorandil Rivopharm kontraindiziert. Der Patient muss über diese potentiell lebensbed- rohende Interaktion informiert werden.

Arzneimittel mit Kaliumkanal-blockierender Wirkung

Die potentiell Kaliumkanal-blockierende Wirkung von Sulfonylharnstoffen und der damit verbundene antagonistische Effekt zu Nicorandil sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders stark ist der Effekt bei derjenigen Untergruppe von Sulfonylharnstoffen, zu der auch Glibenclamid gehört. Bei der Behandlung von Typ II-Diabetikern mit dem Risiko akuter koronarer Erkrankungen sollte dies bei der Auswahl des geeigneten Antidiabetikums berücksichtigt werden.

Glucose-6-phosphat-Dehydrogenasemangel

Nicorandil Rivopharm sollte bei Patienten mit Glucose-6-phosphat-Dehydrogenasemangel mit entsprechender Vorsicht angewendet werden. Nicorandil wirkt teilweise durch seine organische Ni- trat-Gruppe. Die Metabolisierung organischer Nitrate kann zur Bildung von Nitriten führen, welche bei Patienten mit Glucose-6-phosphat-Dehydrogenasemangel eine Methämoglobinämie auslösen kön- nen.

Natriun

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette zu 10 mg bzw. 20 mg,

d.h. es ist nahezu «natriumfrei».

 

 

Interaktionen

 

Es konnten in Tierexperimenten und Untersuchungen beim Menschen keine pharmakologischen und pharmakokinetischen Interaktionen von Nicorandil mit Acenocumarol, Rifampicin und Cimetidin beo- bachtet werden. Interaktionen mit β-Blockern, Calciumantagonisten, Digoxin sowie einer Kombination von Digoxin mit Furosemid wurden nicht speziell untersucht.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei gleichzeitiger Anwendung von anderen gefässer- weiternden Arzneimitteln (Vasodilatatoren, Kalziumantagonisten) oder blutdrucksenkenden Arzneimit- teln (wie z.B. β-Blockern), trizyklischen Antidepressiva und Alkohol deren blutdrucksenkende Wirkung verstärkt wird.

Dapoxetin sollte bei mit Nicorandil behandelten Patienten aufgrund einer möglichen Verminderung der orthostatischen Toleranz mit Vorsicht verschrieben werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Nicorandil und Kortikosteroiden ist Vorsicht geboten, da Fälle von gastro- intestinalen Perforationen berichtet wurden.

Bei Patienten mit gleichzeitiger Anwendung von NSARs einschliesslich Acetylsalicylsäure sowohl zur kardiovaskulären Prophylaxe als auch entzündungshemmenden Anwendung besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen wie etwa gastrointestinale Ulzerationen, Perforationen und Blu- tungen (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

 

Nicorandil sollte in Kombination mit anderen Arzneimitteln, welche die Kaliumspiegel erhöhen kön- nen, mit entsprechender Vorsicht angewendet werden (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnah- men und Unerwünschte Wirkungen).

Die blutdrucksenkende Wirkung von akut und chronisch applizierten Nitraten und anderen NO-Dona- toren wird durch Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (wie Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) verstärkt.

Daher ist die Einnahme von Phosphodiesterase-5-Inhibitoren während der Behandlung mit Nicorandil Rivopharm kontraindiziert. Falls dennoch Phosphodiesterase-5-Inhibitoren eingenommen wurden, ist die Anwendung von Nicorandil Rivopharm während 24 h nach Einnahme dieser Substanzen kontrain- diziert.

Eine gleichzeitige Anwendung von Nicorandil und Stimulatoren der löslichen Guanylat-Cyclase (wie

z.B. Riociguat) kann zu einem schweren Blutdruckabfall führen und ist deshalb kontraindiziert (vgl. Kontraindikationen).

 

 

Schwangerschaft, Stillzeit

 

Schwangerschaft

 

Bisher liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Nicorandil bei Schwangeren vor. Tierexperi- mentelle Studien zeigten keine teratogenen Effekte (vgl. Präklinische Daten). Während der Schwangerschaft darf das Medikament nicht verabreicht werden, es sei denn dies ist eindeutig er- forderlich.

Stillzeit

 

Beim Tier tritt ein geringer Anteil in die Muttermilch über. Es ist nicht bekannt, ob Nicorandil beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Daher ist die Anwendung von Nicorandil Rivopharm in der Stillzeit nicht empfohlen.

 

 

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

 

Nicorandil Rivopharm hat einen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Durch die blutdrucksenkende Wirkung und durch Nicorandil induzierten Schwindel und Schwächegefühl können die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein. Diese Wirkung kann in Verbindung mit Alkohol oder mit der Anwendung von an- deren Arzneimitteln mit blutdrucksenkender Wirkung verstärkt werden. Die Patienten müssen daher darauf hingewiesen werden, keine Fahrzeuge oder Maschinen zu bedienen, falls diese Symptome auftreten.

Unerwünschte Wirkungen

 

Folgende unerwünschte Wirkungen können nach Einnahme von Nicorandil Rivopharm 10/- 20 auftre- ten. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig ≥10%; häufig ≥1%, <10%; gelegentlich

 

≥0.1%, <1%; selten ≥0.01%, <0.1%; sehr selten <0.01%; nicht bekannt: basierend überwiegend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Häufigkeit kann nicht abgeschätzt werden. Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Häufig: Hautabszesse.

Gelegentlich: Abszesse (anal, genital oder gastrointestinal) (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmass- nahmen).

 

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr selten: Hyperkaliämie (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen, Interaktionen).

 

 

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr häufig: Insbesondere während der ersten Tage der Behandlung und dosisabhängig, vorüberge- hend Kopfschmerzen (22-48%).

Häufig: Schwindel und allgemeines Schwächegefühl (Müdigkeit, Benommenheit).

 

 

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Konjunktivitis, Bindehautulkus, Hornhautulkus (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmass- nahmen).

Einzelfälle: Diplopie.

 

 

Herz-/Gefässerkrankungen

Häufig: Tachykardie; kutane Vasodilatation mit Flush.

Gelegentlich: Blutdruckabfall (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

 

 

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Divertikulitis, gastrointestinale Blutungen (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen), gastrointestinale Ulcera wie Stomatitis, Aphthosis, Mundulcera, Zungenulcera, Dünndarmulcera, Dick- darmulcera und anale Ulcera. Diese können in fortgeschrittenem Stadium perforieren, Fisteln entwick- eln oder zu Abszessen führen, oder gastrointestinale Blutungen und Gewichtsverlust verursachen (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen), Übelkeit, Erbrechen.

Gelegentlich: Gastrointestinale Perforationen (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen), gastro- intestinale Fisteln (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

Selten: Abdominalschmerzen.

 

 

Leber- und Gallenerkrankungen

Sehr selten: Leberfunktionsstörungen wie Hepatitis, Cholestase oder Gelbsucht.

 

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Haut- und Schleimhautulcera (v.a. perianal, genital und parastomal) (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

Gelegentlich: anale und genitale Fisteln sowie Hautfisteln (vgl. Warnhinweise und Vorsichtsmassnah- men).

Selten: Hautausschlag, Juckreiz.

Sehr selten: Angioneurotisches Ödem, Photosensibilität. Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen Selten: Myalgien.

 

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. An- gehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwieg- enden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Infor- mationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

 

 

Überdosierung

 

Anzeichen und Symptome

 

Bei einer Überdosierung ist mit einer peripheren Vasodilatation und einem Blutdruckabfall mit Re- flextachykardie zu rechnen.

Behandlung

 

Bei extremem Blutdruckabfall sind allgemeine Massnahmen durchzuführen, wie z.B. Hochlagern der Beine. Ergänzend kann Volumen substituiert und Adrenalin bzw. andere kreislaufstabilisierende Sub- stanzen appliziert werden.

 

 

Eigenschaften/Wirkungen

 

ATC-Code

 

C01DX16

 

Wirkungsmechanismus

 

Nicorandil, der Wirkstoff von Nicorandil Rivopharm, ist ein Koronartherapeutikum. Nicorandil hat zwei unterschiedliche Wirkmechanismen, welche zu einer Relaxation der glatten, tonischen Gefässmusku- latur im venösen und arteriellen Kreislaufschenkel führen. Die kaliumkanalöffnende Wirkung von Nicorandil führt zu einer Hyperpolarisierung der glatten Muskelzellen, was eine Vasodilatation der Ko- ronararterien und der peripheren Arterien und damit eine Nachlastsenkung bewirkt. Zusätzlich erfolgt

 

eine Kardioprotektion durch Nachahmung der ischämischen Präkonditionierung. Durch die Nitratwir- kung kommt es zu einer Vasodilatation der Venen mit einer Vorlast-Senkung und einer Dilatation der Koronararterien und dadurch zu einer Abnahme des linksventrikulären Füllungsdruckes.

Pharmakodynamik

 

Die Koronarien werden auch direkt durch Nicorandil beeinflusst. Normale und stenotische Kor- onarsegmente werden durch Nicorandil dilatiert. Zusätzlich wird durch die Absenkung des enddias- tolischen Drucks die Wandspannung als extravaskuläre Komponente des Koronarwiderstandes herabgesetzt. Insgesamt ergibt sich daraus eine Verbesserung der O2-Bilanz im Myokard mit Verbesserung der Durchblutung.

Nicorandil hat keinen direkten Effekt auf die myokardiale Kontraktilität.

Klinische Wirksamkeit Stabile Angina pectoris

Einzeldosisstudien haben die Wirksamkeit von oralem Nicorandil (5-60 mg) bei Patienten mit stabiler Belastungsangina gezeigt. Dabei wurde die Zeit bis zum Einsetzen der Angina pectoris signifikant verlängert (20-80%), die ST-Strecke signifikant gesenkt (25-90%) sowie die Dauer des Belastungs- tests verlängert (bis zu 36%).

Kurzzeitanwendung von oralem Nicorandil (2-12 Wochen) in Dosierungen von 5 mg dreimal täglich bis zu 10-40 mg zweimal täglich verbessert die Testparameter (z.B. Zeit bis zum Einsetzen der An- gina pectoris) und reduziert die Symptome bei Patienten mit stabiler Belastungsangina sowohl in offe- nen und placebokontrollierten Studien als auch im Vergleich zu anderen Angina pectoris-Therapeu- tika. Die Häufigkeit von Angina pectoris-Anfällen wurde um ca. 50% reduziert.

In Langzeitstudien wurde ein Anhalten der Wirksamkeit von Nicorandil über ein Jahr beobachtet.

Die Wirksamkeit ist dosisabhängig, wobei eine Stabilisierung der Angina pectoris bei 60-80% der Pa- tienten, die mit 2 x täglich 20 mg, bzw. bei 20% derjenigen, die mit 2 x täglich 10 mg behandelt wurden, erreicht werden konnte.

In einer offenen Langzeitstudie konnten sowohl die Zeit bis zum Einsetzen der Angina pectoris, die Dauer, als auch die Senkung der ST-Strecke verbessert werden (um 4, 14 bzw. 33%). Die Anzahl der Patienten, die nach 12 Monaten mehr als drei Angina pectoris-Anfälle pro Woche hatten, konnte von 64% auf 24% gesenkt werden.

 

Instabile Angina pectoris

Orales Nicorandil (2 x täglich 20 mg oder 4 x täglich 5-10 mg) ist auch bei Patienten mit instabiler An- gina pectoris, die auf vorhergehende antianginöse Therapie (z.B. mit Isosorbidnitraten, Nifedipin, Dilti- azem) nicht ansprechen, wirksam.

In einer Multicenter-Doppelblindstudie (n = 188) reduzierte Nicorandil das Auftreten von vorüberge- henden myokardialen Ischämien und Tachyarrhythmien bei Patienten mit instabiler Angina pectoris,

 

wobei die Patienten während 28 Tagen 2 x täglich 20 mg Nicorandil bzw. Placebo einnahmen. Es traten insgesamt 37 schmerzhafte oder stille myokardiale Ischämien in 11 Patienten (12.4%) unter Nicorandil auf. 21 Patienten (21.1%) unter Placebo waren von 74 Episoden betroffen (p = 0.0028/Epi- soden; p = 0.12/Anzahl Patienten). Drei Episoden von nicht-verlängerter ventrikulärer Tachykardie und 4 Episoden von supraventrikulärer Tachykardie traten bei Nicorandil-behandelten Patienten im Vergleich zu 31 bzw. 15 Episoden bei Kontrollpatienten (p <0.001 bzw. p = 0.017) auf.

Die Mortalität und die Häufigkeit eines Myokardinfarktes wurden nicht signifikant beeinflusst.

 

 

Reduktion von Komplikationen bei koronarer Herzkrankheit

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurden 5126 Patienten mit Belastungsangina und einer Standard-antianginösen Therapie randomisiert auf entweder Nicorandil oder Placebo. Die mit- tlere Follow-up-Dauer betrug 1.6 Jahre. Im kombinierten primären Endpunkt (tödliche koronare Her- zkrankheit, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, ungeplante Hospitalisierung wegen pektanginöser Beschwerden) zeigte sich ein signifikantes Ergebnis zugunsten von Nicorandil mit einem Hazard Ra- tio von 0.83 (0.72 bis 0.97; p = 0.014). Von den sekundären Endpunkten zeigte der kombinierte End- punkt bestehend aus kardialem Tod und nicht letalem Myokardinfarkt keinen signifikanten Unter- schied. Dagegen traten der kombinierte Endpunkt ‚akutes Koronarsyndrom' (bestehend aus KHK- Tod, nicht-tödlichem Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris) sowie alle kardiovaskulären Ereignisse unter Nicorandil signifikant weniger häufig auf als unter Placebo.

 

 

Pharmakokinetik

 

Absorption

 

Nicorandil wird nach oraler Verabreichung unabhängig von der Nahrungsaufnahme schnell und voll- ständig aus dem Gastrointestinaltrakt absorbiert. Maximale Konzentrationen im Plasma werden nach etwa 30-60 Minuten erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 75%. Nicorandil unterliegt keinem signifikanten hepatischen First-Pass-Effekt. Die Plasmakonzentration zeigt eine lineare Ab- hängigkeit von der Dosis.

Distribution

 

Nicorandil ist nur schwach an Humanplasmaproteine gebunden (freie Fraktion >75%). Bei laktierenden Tieren geht etwa 1% der verabreichten Menge in die Muttermilch über.

 

Metabolismus

 

Der Hauptabbau von Nicorandil führt über eine Nitratabspaltung in den Nicotinamid-Stoffwechsel und mündet so in den körpereigenen Vitaminhaushalt.

Elimination

 

Die Plasmakonzentrationsabnahme lässt zwei verschiedene Phasen erkennen. Neben einer schnel- len Eliminationsphase (t½ = 1 Stunde), die etwa 96% der Wirkstoffmenge im Plasma betrifft, kann eine langsame Eliminationsphase zwischen der 8. und 24. Stunde beobachtet werden. Nur etwa 1% der applizierten Dosis wird unverändert und bis zu 8% nach Abspaltung der Nitratgruppe renal eliminiert.

Kinetik spezieller Patientengruppen

 

Cimetidin und Rifampicin, die die mikrosomalen Enzyme der Leber inhibieren bzw. induzieren kön- nen, haben keinen signifikanten Einfluss auf die Kinetik von Nicorandil.

Leberfunktionsstörungen

 

Es sind bisher keine Einflüsse auf die Kinetik bei Patienten mit Lebererkrankungen bekannt.

 

Nierenfunktionsstörungen

 

Es sind bisher keine Einflüsse auf die Kinetik bei Patienten mit gestörter Nierenfunktion bekannt.

 

Ältere Patienten

 

Es sind bisher keine Einflüsse auf die Kinetik bei älteren Patienten bekannt.

 

Kinder und Jugendliche

 

Daten zur Pharmakokinetik bei Kindern und Jugendlichen liegen nicht vor.

 

Präklinische Daten

 

Tierexperimentelle Untersuchungen mit deutlich maternotoxischen Dosen, die weit über den üblichen humantherapeutischen Dosen lagen, zeigten eine gewisse Reproduktionstoxizität wie erniedrigte An- zahl Implantationen, erhöhte embryonale oder fötale Todesrate sowie eine höhere Mortalität der Nachkommen. Es wurden keine teratogenen Effekte gefunden und weder Paarungsfähigkeit noch Schwangerschaftsrate waren beeinträchtigt.

Unter experimentellen Bedingungen zeigte Nicorandil in Mutagenitäts- und Karzinogenitätsstudien keine Effekte.

Sonstige Hinweise

 

Inkompatibilitäten

 

Inkompatibilitäten sind nicht bekannt.

 

Beeinflussung diagnostischer Methoden

 

Eine Beeinflussung diagnostischer Methoden ist bislang nicht bekannt.

 

Haltbarkeit

 

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit „EXP“ bezeichneten Datum verwendet wer- den.

Haltbarkeit nach Anbruch

 

Nicorandil Rivopharm sollte innerhalb von 30 Tagen nach dem Öffnen der Blisterpackung angewen- det werden. Wenn Sie nur eine Hälfte einer Tablette einnehmen, sollte die andere Hälfte verworfen werden, ohne sie zu verwenden.

Besondere Lagerungshinweise

 

Nicorandil Rivopharm ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit.  Bewahren Sie die Tabletten bis zur Einnahme in der Blisterpackung auf, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.

Nicht über 25 °C lagern.

Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Für nicht entnommene Tabletten in angebro- chenen Blistern ist während 30 Tagen ein ausreichender Feuchtigkeitsschutz gewährleistet. Nicht auf- gebrauchte Blister, die während mehr als 30 Tagen angebrochen sind, bitte fachgerecht entsorgen.

Die Durchdrückpackung enthält neben den Nicorandil Rivopharm Tabletten in einem speziell gekenn- zeichneten Abschnitt eine wirkstofffreie Trockenmitteltablette aus Kieselgel, die nicht eingenommen werden darf.

Eine evtl. versehentliche Einnahme dieser Trockensubstanz ist zwar unbedenklich, kann aber zu einem falschen Einnahmemodus der wirkstoffhaltigen Tablette und somit zum Verfehlen des Therapiezieles führen..

Zulassungsnummer

60 431 (Swissmedic).

Packungen

Nicorandil Rivopharm 10 mg Tabletten (mit Bruchrille, teilbar): jeweils Packungen zu 30 und 60 Tabletten [B]

Nicorandil Rivopharm 20 mg Tabletten (mit Zierrille): jeweils Packungen zu 30 und 60 Tabletten [B]

 

Zulassungsinhaberin

 

Rivopharm SA, 6928 Manno, Svizzera.

 

Stand der Information

 

Oktober 2019